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McIntosh, Binghamtons Vermächtnis |
SonicAudio
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Dabei seit: 02.04.2009
Beiträge: 192
Spezialist: Audiotechnik, Elektroakustik Herkunft: Liechtenstein
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McIntosh, Binghamtons Vermächtnis |
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Spätestens seit Mitte des 20. Jahrhunderts wissen wir, daß sich Märkte und Verbraucherverhalten international ständig verändern. Unternehmen, die sich darauf nicht schnell genug einstellen oder zu wenig flexibel darauf reagieren, landen dann schnell auf dem Friedhof der Geschichte, oder müssen zumindest mit einer feindlichen Übernahme durch Konsortien rechnen, die es eben besser machen. Dieser Prozeß kann in manchen Fällen für gewisse Zeit verzögert werden, wenn man mit ebenso gefährdeten Unternehmen als strategischen Partner rechtzeitig fusioniert und durch eine entsprechende Menge an Fremdkapital als "Finanzspritze" neuen Spielraum erhält.
Klassische Fälle gibt es in den USA dazu mehrere, Marantz z.B. war so ein Fall. Aber auch andere Dinosaurier wurden hier das Opfer ihrer eigenen Schwerfälligkeit, der wahrscheinlich letzte war McIntosh Laboratory in Binghamton, New York. Die Unternehmensgeschichte verrät uns hier einige pikante Details, die schließlich auch den elitären Charakter jener Preispolitik ausmachen, die bis heute noch immer anhält. Selbst die harten Verhandlungen mit dem japanischen Hersteller Clarion im Jahr 1990 und der spätere Verkauf an D&M Holdings Japan 2003, welche zufällig auch Marantz übernommen hat, konnten daran nichts ändern. Es sei denn man stellt die nun drastisch erhöhte Kapitaldeckung durch den in Boston, Massachusetts beheimateten Investment Fond von Bain Capital LLC in Rechnung, die die Marke seit 2008 durch die Übernahme von D&M Holdings nun besitzen. Und so landete dieses traditionsreiche Unternehmen nach 18 Jahren wieder in amerikanischen Händen, nur daß es diesmal ein privates Finanzunternehmen war und nicht etwa eines aus der Unterhaltungselektronik.
Soviel zum Hintergrund der nun vorliegenden Geschichte. Wie irrational die Vorstellungen mancher Konsumenten ausfallen, soll ein Fall aufzeigen, der sich wieder vor ein paar Monaten irgendwo in Deutschland zugetragen hat. Natürlich könnte man auch hier wieder einige ähnliche Fälle aus früheren Tagen anführen, die mindestens genauso stereotyp ausfallen wie dieser hier, bloß nicht ganz so kraß.
Tatsächlich geht es dabei um ein eher dubioses Angebot von Audio Components in Hamburg, das aus einer entsprechend kostenträchtig modifizierten Kompaktanlage von McIntosh, dem MXA60-System besteht. Anläßlich des 60. Firmenjubiläums hatte dieses 2009 seine Markteinführung. Allerdings bewegen sich die Preise in den USA in wesentlich moderateren Höhen als dies zur Zeit in europäischen Ländern der Fall ist, so kostet das Gerät in den USA netto ca. € 5500, umgerechnet etwa $ 7500. Nicht so in Deutschland, hier hatte man offenbar andere Überlegungen in der Preisgestaltung. Nicht genug damit, daß das Gerät ohnehin bereits zur absoluten Luxusklasse gehört, ist man bei Audio Components offensichtlich anderer Ansicht, und so entschloß man sich die nahezu perfekte Ausstattung des Geräts gegen eine andere, nicht minder perfekte Ausstattung zu tauschen, nur daß diese um einiges teurer ist als die ursprüngliche. Aufgepeppt wird das ganze auch noch mit einem neuen Netzkabel von Siltech, welches auf den ersten Blick vielleicht hübscher aussieht, aber in letzter Konsequenz genausowenig zur Klangverbesserung beiträgt wie alle übrigen Modifikationen. Abgerundet wird dieses Wahnsinnsangebot noch mit einer erweiterten Garantiezeit von 5 statt 2 Jahren, damit der Konsument auch ganz sicher dafür schon im Vorfeld bezahlt, nur auf die Gefahr hin, daß sich in den ersten beiden Jahren zufällig kein Defekt einstellt. Damit liegt der Endverbraucherpreis nun bei ca. 9000 Euro, also etwa um 3500 Euro höher als der Nettopreis des Herstellers.
Was zur Hölle soll das? Ist es etwa ein Versuch zur "intelligenten" Kundenbindung? Wohl kaum, vielmehr ist es der Einbau eines künstlichen "Mehrwerts" für den der Kunde letztlich zahlen soll! Man könnte es auch gleich beim Namen nennen: Abzocke pur! Hier wird eindeutig mit der bodenlosen Dummheit eines Hanswurst spekuliert, welche in Deutschland weit genug verbreitet scheint, sodaß sich früher oder später irgendein Dummkopf mit genügend Geld findet, der auf dieses Geschäft tatsächlich eingeht.
In Anbetracht der aktuellen Produktionskosten und dem laufenden Drang nach Gewinnmaximierung erscheint es daher als äußerst unwahrscheinlich, daß sich McIntosh aus einer heimischen Edelschmiede wie z.B. Sophia Electric bedient. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wurde hier einer der russischen Produzenten wie Tung-Sol, Genalex-Gold Lion oder Mullard, die ohnehin der New Sensor Corporation in den USA gehören, bemüht. Da ist es auch kein Problem mehr diese Röhren ohne Aufdruck zu bestellen, um sie dann bei McIntosh, wie üblich, mit dem eigenen Label zu beschriften.
Es ist oft ziemlich frappierend zu sehen, wie Mythen und Legenden vermischt mit Arroganz und allgemeiner Volksverblödung in Deutschland einhergehen und damit den ganz normalen Wahnsinn in der alltäglichen Geschäftswelt kennzeichnen.
__________________ "By the end of today, another day is gone forever. You will never get it back. We must never let up for a second. Work harder at every single thing." - Terry Manning
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29.01.2012 15:34 |
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